Braucht man noch eine Website? Zwei verschiedene Aufgaben
Social Media ist ein Schaufenster, das sich bewegt. Sehen tun es die Leute, die dir schon folgen, und die, denen der Algorithmus dich zeigen will. Es ist ein Werkzeug zum Entdecktwerden: du landest bei Menschen, die dich gar nicht gesucht haben. Eine Website funktioniert umgekehrt. Sie wird von jemandem gefunden, der schon nach dem sucht, was du anbietest — „Friseur Köln Ehrenfeld“, „Physiotherapie Knie Leipzig“, „Hochzeitsfotograf Hamburg“ — und kurz vor der Entscheidung steht.
Darum ist „Website oder Social Media?“ meistens die falsche Frage. Die richtige lautet: Woher kommen die Kunden, die bezahlen? Kommen sie über Empfehlungen und über das, was du postest, trägt Social Media die Last. Kommen sie über Google und Google Maps, kämpfst du ohne Website mit einer Hand auf dem Rücken.
Der Test dauert zwei Minuten. Such auf dem Handy, im privaten Fenster, nach deinem Beruf und deinem Ort. Was den ersten Bildschirm füllt — die Karte mit den Google-Unternehmensprofilen, darunter die Websites —, ist der Ort, an dem dieser Kunde entscheidet. Ein Instagram-Profil steht dort so gut wie nie, und wenn die Konkurrenz dort steht, ist der Kunde weg, bevor er von dir erfahren hat.
Was Social Media besser kann
Es gibt Berufe, bei denen Social Media das wichtigste Schaufenster ist und keine Website es ersetzt. Ein Tattoostudio verkauft über sein Portfolio: Man wählt einen Tätowierer, indem man durch abgeheilte Arbeiten scrollt, nicht indem man Texte liest, und jeder Post ist ein datierter Stilbeweis. Genauso die Fades eines Barbiers oder die Reels einer Hochzeitsfotografin.
Drei Vorteile sind echt. Tempo: heute gepostet, heute gesehen, ohne auf eine Suchmaschine zu warten. Gespräch: Direktnachrichten, Kommentare, Markierungen unter Freunden — Mundpropaganda in neuem Format. Und sichtbare Bestätigung: Follower, Bewertungen und zufriedene Kunden, die das Ergebnis selbst zeigen.
Was es kostet, ist Zeit, nicht Geld. Ein Konto, das wirklich Aufträge bringt, heißt: mehrmals pro Woche posten, Nachrichten zu jeder Uhrzeit beantworten und immer öfter Beiträge bewerben, damit sie überhaupt jemand sieht. Zwei volle Monate ohne Post, und die Reichweite bricht ein — dann fängt man wieder weiter unten an.
Was nur eine Website leistet
Gefunden werden, wenn jemand sucht. Bei einer Suche nach einer Dienstleistung zeigt Google Unternehmensprofile und Websites. Seit dem 10. Juli 2025 lässt Instagram Google und Bing öffentliche Beiträge von professionellen Konten anzeigen; das hilft deinem Namen, aber was dort erscheint, ist ein einzelner Beitrag mit Bildunterschrift — keine Seite, die „was kostet das und wann hast du Zeit“ beantwortet.
Antworten, bevor jemand fragen muss. Was du machst, eine Preisspanne, wo, wann und wie man bucht. Auf Instagram verteilt sich das auf eine Bio mit 150 Zeichen, ein paar Story-Highlights und Direktnachrichten, die du von Hand beantwortest. Wer zehnmal am Tag „was kostet das?“ per DM gefragt wird, braucht keinen weiteren Post. Er braucht eine Seite.
Menschen ohne Konto erreichen. Viele Kunden nutzen Instagram gar nicht, und im Browser am Rechner verlangen Instagram und Facebook nach kurzem Scrollen eine Anmeldung. Eine Website öffnet sich für jeden, ohne Registrierung.
Dir gehören. Die Domain auf deinen Namen, deine Texte, deine Fotos, die Anfragen aus deinem Formular und eine Adresse wie kontakt@deinbetrieb.de statt einer Gmail-Adresse. Was diese Adresse im Jahr kostet, rechnen wir in was eine Domain pro Jahr kostet vor.
Das Problem mit dem gemieteten Grund
Dein Profil gehört dir, solange die Plattform es will. Kontoübernahmen sind der Alltag: eine Nachricht, die sich als Meta-Support ausgibt („Dein Konto verstößt gegen das Urheberrecht, bestätige hier“), und zehn Minuten später hat jemand anderes deine Follower, dein Portfolio und die Nachrichten deiner Kunden. Automatische Sperren aus Versehen gibt es auch, und ein kleiner Betrieb erreicht kaum einen Menschen, der sie aufhebt.
Die Reichweite ändert sich ohne Vorwarnung. Eine Facebook-Seite erreicht organisch nur noch einen kleinen Bruchteil ihrer Follower — oft einen einstelligen Prozentsatz —, und was früher kostenlos lief, wird heute bezahlt. Follower sind keine Kundenliste. Sie sind die Erlaubnis, ab und zu auf einem fremden Bildschirm aufzutauchen, verwaltet von jemand anderem.
Auch Buchungsplattformen sind gemieteter Grund. Treatwell für Salons oder Doctolib für Praxen sind bequem, aber dein Eintrag dort folgt ihren Regeln, ihren Gebühren und ihrer Art, Mitbewerber daneben zu zeigen. Sie ergänzen eine Website, sie ersetzen sie nicht.
Selbst Google ist kein fester Boden. Im März 2024 hat Google die kostenlosen Websites abgeschaltet, die man aus dem Unternehmensprofil heraus bauen konnte (die Adressen auf business.site); bis zum 10. Juni 2024 leiteten sie noch auf das Profil weiter, seitdem kommt nur ein Fehler. Wer dort seine einzige Website hatte, stand mit Visitenkarten und Schaufensterbeschriftung da, die ins Leere zeigten. Daraus folgt die Regel: Poste, wo du willst, aber die Adresse auf Visitenkarte, Firmenwagen und Google-Profil muss eine sein, über die du selbst bestimmst.
Impressum, DSGVO und Social Media: was in Deutschland gilt
Die Impressumspflicht nach § 5 DDG gilt nicht nur für Websites, sondern auch für geschäftlich genutzte Profile auf Instagram, Facebook oder TikTok. Gerichte sehen das seit über zehn Jahren so (schon das LG Aschaffenburg 2011 zu einer Facebook-Unternehmensseite), und ein fehlendes Impressum ist ein klassischer Abmahngrund unter Mitbewerbern. Es muss leicht erkennbar und unmittelbar erreichbar sein.
Die übliche Lösung auf Instagram ist ein Link in der Bio auf das Impressum der eigenen Website. Das heißt im Klartext: Auch wer „nur Social Media“ machen will, braucht für eine saubere Anbieterkennzeichnung meistens doch eine Seite, auf die er verlinken kann.
Social Media nimmt dich auch nicht aus der DSGVO. Der EuGH hat 2018 entschieden — in einem Fall aus Schleswig-Holstein (C-210/16, Wirtschaftsakademie) —, dass der Betreiber einer Facebook-Fanpage gemeinsam mit Facebook für die Daten der Besucher verantwortlich ist. Der Unterschied: Auf deiner Website entscheidest du, was erhoben wird; auf der Plattform nicht.
Vorsicht bei Terminanfragen per Direktnachricht in Gesundheitsberufen. Wer einer Physiotherapeutin per DM seine Beschwerden schildert, hinterlässt Gesundheitsdaten nach Art. 9 DSGVO auf einer Plattform, die du nicht kontrollierst, und als Berufsgeheimnisträger trägst du dafür die Verantwortung. Ein eigenes Formular fragt nur das Nötige ab. Und wenn deine Website einen Instagram-Feed einbettet, der Cookies setzt, braucht es nach § 25 TDDDG vorher eine Einwilligung — mit einem „Ablehnen“, das so einfach ist wie „Akzeptieren“.
Was jeder Weg kostet
Richtwerte aus dem deutschen Markt, kein Angebot. Nur Social Media: 0 € im Monat und drei bis zehn Stunden pro Woche für Fotos, Texte und Nachrichten; eine kleine lokale Werbekampagne liegt oft bei 5 bis 15 € am Tag. Website im Baukasten selbst gebaut: 10 bis 40 € im Monat plus Domain, und so viele Wochenenden, wie es eben dauert. Website machen lassen: 800 bis 3.000 € bei Freelancern, oft ab 2.500 € bei einer Agentur, dazu die Wartung.
Der ehrliche Vergleich lautet nicht „kostenlos gegen bezahlt“, denn Social Media ist nicht kostenlos: Es wird in Stunden bezahlt, und die Stunden eines Selbstständigen haben einen Preis. Die eigentliche Frage ist, was dir jeder Euro spart. Eine Website, die Preise, Öffnungszeiten und Buchung beantwortet, erspart dir die Hälfte der Direktnachrichten, und diese Zeit geht zurück in Arbeit, die du abrechnen kannst.
Bevor du Angebote vergleichst, lies was hinter einer günstigen Website steckt und was die Wartung pro Jahr wirklich kostet. Unsere Website-Pakete haben einen festen, veröffentlichten Preis, und die Domain läuft vom ersten Tag an auf deinen Namen.
Website und Social Media zusammen, Beruf für Beruf
Der Link in der Bio führt auf eine bestimmte Seite deiner Website — Buchung oder Kontakt —, nicht auf die Startseite. Instagram erlaubt seit 2023 bis zu fünf Links in der Bio: der erste gehört deiner Website, ein weiterer dem Impressum. Und das Google-Unternehmensprofil verweist ebenfalls auf die Website, denn dort fällt die Entscheidung.
Auf der Website zeigst du deine Kanäle dort, wo sie helfen. Einen Live-Feed von Instagram einzubetten, solltest du dir zweimal überlegen: Er lädt Code von Meta, bremst die Seite und darf wegen der Drittanbieter-Cookies erst nach Einwilligung erscheinen. Sechs ausgewählte Fotos und ein Link auf dein Profil leisten dasselbe ohne diesen Preis.
Je nach Beruf funktioniert diese Aufteilung: Ein Tätowierer hält sein Portfolio lebendig auf Instagram und erklärt auf der Website, was ein Feed schlecht erklärt (Terminanfrage, Anzahlung, Pflege, Stile, die er nicht sticht). Friseure und Barbershops zeigen Schnitte auf Social Media und halten Leistungen, Preise und Buchung auf der Website. Eine Fotografin zeigt Arbeiten auf Instagram und erklärt Pakete und freie Termine auf ihrer Seite. Ein Personal Trainer wird über kurze Videos bekannt und schließt Pläne und Preise auf seiner eigenen Seite ab.
Wann reicht Social Media? Wenn du eine Idee testest, auf dem Wochenmarkt verkaufst oder allein über Empfehlungen ausgebucht bist. Es reicht nicht mehr an dem Tag, an dem du den ganzen Tag „was kostet das?“ per DM beantwortest, an dem jemand deinen Namen googelt und dich nicht findet, oder an dem dir klar wird, dass dein ganzer Betrieb an einem Passwort hängt. Wer dazu Werbung bei Google, Meta und TikTok will: das steckt in unserem digitalen Wachstumsplan.
Passende Ratgeber nach Beruf